6.Jun 19

Neue Mobilitätskonzepte bei Automobilherstellern – Zukunft der Digitalisierung und Trends

geschrieben von Nicole Y. Jodeleit

Beim Automobil von Morgen liegt die Betonung nicht mehr auf „Auto“, sondern auf „Mobil“. Autohersteller sind schon längst keine „Hardware-Hersteller“ mehr. Im Zuge der Digitalisierung findet man immer mehr Software im Auto – auch wenn sie oft noch „gut versteckt“ wird. Wie gehen Autohersteller mit den digitalen Entwicklungen und Trends um? Welche Rolle spielt die Customer Experience dabei?

Digitalisierung

Der Konsument befindet sich mittendrin: Die Digitalisierung des Alltags sowie der Umgang mit digitalen Komponenten im beruflichen Kontext lässt sich kaum aufhalten. 
Beim Thema Unterhaltung ist jeder am schnellsten zu begeistern. Wer schätzt es nicht, dass die alten Medienträger (CD, USB-Stick) ausgedient haben? Musik wird gestreamt, in Playlisten organisiert – man ist „always on“. 

Das Navigationssystem – wer möchte darauf heute verzichten? Am besten kombiniert mit Schwarmintelligenz: Nutzer melden Staus und geben anonymisiert die gefahrene Geschwindigkeit zurück an das System. Daraus ergeben sich Stauwarnungen und damit Umleitungsempfehlungen. 

Mobilität hat somit mit Kommunikation zu tun. Autohersteller und Zulieferer der Branche beschäftigen sich seit längerer Zeit mit Car-to-Car Communication (Car2Car oder C2C). 
Der direkte Informationsaustausch zwischen fahrenden Fahrzeugen über Straßen- und Verkehrsverhältnisse sorgt für mehr Sicherheit der Autofahrer. Falls nach der nächsten unübersichtlichen Kurve ein stehendes Fahrzeug auf der Fahrbahn mit einer Panne steht, so weiß der nachfolgende Verkehr Bescheid. Das erste Auto, das die Verkehrsstörung erkennt, wird die Information an die anderen Fahrzeuge weitergeben – mit Standortdaten aus der bordeigenen Navigation. Das „letzte“ Fahrzeug, bei dem die Störung nicht mehr vorhanden ist, wird melden: „Wieder freie Fahrt“.

Digitale Daten sind für die Mobilität also wichtig: der Austausch, die Verarbeitung, die Auswertung - all dies funktioniert nur mit den entsprechenden Maßnahmen zur Digitalisierung. 
Jede Fahrt mit dem Auto geht bekanntermaßen ja auch vorbei: „Sie haben Ihr Ziel erreicht“ - und nun? Die Parkplatz-Suche beginnt. Die Automobilhersteller lassen Ihre Kunden damit nicht mehr allein. Denn zu einem positiven Fahrerlebnis gehört auch immer „ein gutes Ende“. Daimler hat sich darüber Gedanken gemacht. Philipp Deppe - Mercedes-Benz-Experte und Autor des weithin bekannten Autoblogs MBpassion schildert uns, wie es bei Daimler um die Digitalisierung steht:

Die Automobilindustrie befindet sich in einer Transformationsphase und auch Daimler/ Mercedes-Benz wandelt sich mehr und mehr vom Autobauer zum Mobilitätsdienstleister. Bestehende Angebote wie beispielsweise car2go werden weiter ausgebaut aber es kommen auch neue Elemente im Zuge der Digitalisierung hinzu. Ein Baustein wird der Bereich „connected“ sein, das heißt die Autos werden immer mehr mit dem Internet vernetzt sein. Ein Trend ist die Erkennung von freien Parkplätzen an Hand der Sensoren des Autos, diese Informationen sendet das Fahrzeug dann in eine Daten-Cloud und stellt sie über einen speziellen Dienst anderen Nutzern zu Verfügung. So wird die Suche nach einem Parkplatz für den Autofahrer und Nutzer der neuen Mobilitätsdienste deutlich angenehmer und leichter. Parallel ist natürlich auch die Suche nach dem Parkplatz via App oder Webseite möglich um den bestmöglichsten Service für den Nutzer anbieten zu können.

Philipp Deppe_MDpassionBlog
Philipp Deppe - Autor MBpassion Blog

 

Neue Mobilitätskonzepte fordern mehr Service und Dienstleistung – sowie Emotion

Die genannten Carsharing-Angebote werden bislang hauptsächlich von Autoherstellern oder Unternehmen zur Verfügung gestellt. Hier spielt die Digitalisierung eine große Rolle. Die Nutzer können nicht auf einem Straßenatlas schauen, wo die Autos stehen, sondern benötigen eine App auf dem Smartphone. Das kennen wir.

Bei der Konzeption solcher Dienste sollte zudem berücksichtigt werden, was der Nutzer empfindet und sich wünscht. Natürlich muss man – bevor man sich auf den Weg zum Carsharing-Auto macht – auch die „Garantie“ haben, dass einem das fußläufig erreichbare Fahrzeug nicht vor der Nase wegfährt. So ist hier beispielsweise eine kurzzeitige Reservierung die Grundvoraussetzung für den Erfolg des Angebots.

Ein anderes Modell der Mobilität, das schon mehrere Hersteller anbieten, beruht auf einer Art Flatrate. Man besitzt ein Auto und kann es gegen ein anderes Modell austauschen. Heute ein SUV, das Morgen gegen ein Cabrio getauscht wird und dann mal ein Coupé mit viel PS. Auch hier werden die Wünsche über eine Smartphone-App geäußert und erfüllt. Alles ganz digital.

Positive Erlebnisse gehören beim Autofahren dazu. Mit Emotion macht Mobilität Spaß – besonders mit Sportwagen funktioniert das gut. Man kann sogar Privatpersonen dazu bringen, ihr Auto dann zu verleihen, wenn sie es gerade nicht selber benötigen. Für den Hersteller ist das eine Möglichkeit, es noch mehr Fans zu ermöglichen, den Sportwagen-Traum wenigstens für einen oder mehrere Tage zu erfüllen. Pilotprojekte mit Startups können die Mobilität in neue Dimensionen bringen. So denkt auch der Thilo Koslowski, CEO von Porsche Digital:

„Porsche ist kein Auto, das man fährt, nur um von A nach B zu kommen. Und trotzdem wollen und müssen wir uns auch mit neuen Mobilitätskonzepten beschäftigen. Wir starten jetzt ein Carsharing-Programm auf Peer-to-Peer-Basis, das Porsche Digital, Inc. gemeinsam mit unserem Partner Turo entwickelt hat. Turo ist ein Carsharing-Marktplatz, über den Reisende von Privatpersonen Autos mieten können. So soll das Fahrerlebnis in einem Porsche nicht nur Fahrzeugbesitzern, sondern auch kurzfristigen Nutzern ermöglicht werden. Die Fahrzeuge im Programm ‚Porsche Host‘ gehören Porsche-Kunden, die eigens dafür geschult worden sind, den Mietern ihres Sportwagens ein Porsche-typisches Premium-Erlebnis zu bieten.“


Thilo Koslowski, CEO Porsche Digital

 

Automatisiertes Fahren ist keine Zukunftsmusik mehr

Die Selbstfahrer-Fans unter uns werden bestätigen, dass es keinen Spaß macht, wenn die Autobahn mal wieder überfüllt ist und es nur noch im nervigen Schritttempo im Verkehrsstau vorangeht. Auf einmal sind alle wieder gleich (schnell beziehungsweise langsam): ob 50-PS-Kleinwagen oder 500-PS-Sportflitzer, ob SUV oder Transporter. 

Warum dann noch selber fahren, wenn es die intelligente Mobilitätsmaschine genauso gut kann? Dass man den Fahrersitz im autonom fahrenden Auto während der Fahrt nach hinten dreht, um sich mit den Fondpassagieren zu unterhalten, wird wohl noch einen „Moment“ dauern. Jedoch sind die verfügbaren Fahrassistenten schon so ausgereift, dass sie so manches Mal vorausschauender und schneller reagieren, als es der Mensch vermag.

Je mehr automatisierte Fahrzeuge, die miteinander kommunizieren, auf der Strecke sind, desto sicherer könnten unsere Straßen werden. Man kommt nach einer längeren Fahrt auf jeden Fall entspannter an und kann die privaten oder geschäftlichen Termine nach der Anreise viel besser genießen.

„Das automatisierte Fahren wird die Gesellschaft und unser Mobilitätsverhalten fundamental verändern. Unsere Vision ist es, unseren Kunden durch das automatisierte Fahren mehr Zeit und Selbstbestimmung zu ermöglichen. Unser Ziel ist es deshalb nicht nur, das automatisierte Fahren in immer weiterem Umfang anzubieten, also sukzessive hin zum voll autonomen Fahren. Zusätzlich sollen Audi-Kunden ihr Automobil als einen höchst angenehmen Lebensraum erfahren, den wir mit einem stets erweiterten Angebot empathischer, proaktiver und intelligenter Services ausstatten.“ so Christian Hartmann, Pressesprecher automatisiertes Fahren, AUDI AG

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Christian Hartmann, Pressesprecher automatisiertes Fahren, AUDI AG

 

Wie reagieren die Konsumenten auf die zunehmende Digitalisierung in der Mobilität? Hersteller und Autoverkäufer werden sich weiterhin auf die Kundenwünsche einstellen (müssen). Wer am besten zuhört und am schnellsten reagiert, wird am erfolgreichsten sein.

Dazu gehört auch das offene Ohr in der digitalen Welt der Kommunikation. Aber nicht nur, denn viele Menschen sind immer noch in der Analog-Welt und nutzen allerhöchstens eine Auto-Navigation – weil sie eben mit eingebaut ist und zur Verfügung steht.

Zurzeit steht bei manchen Autokäufern die Digitalisierung (noch) nicht an erster Stelle. Sie wollen Mobilität und sie fordern Mehrwert, den sie von anderen Diensten kennen und schätzen. Service und Dienstleistung müssen sich an den Themen Unterhaltung, Kommunikation und Digitalisierung orientieren. Dabei sollten die digitalen Zukunfts-Themen den Konsumenten so nahegebracht werden, dass sie den Umgang damit als selbstverständlich empfinden.

Ein Beispiel, das funktionieren könnte: Der neue, rein elektrisch angetriebene SUV Audi e-tron hat auf Wunsch den Amazon-Sprachdienst Alexa an Bord. Der digitale Assistent ist voll in das MMI-Bediensystem des Autos eingebunden – ein Smartphone ist nicht erforderlich.

Der erste Schritt in der Kommunikation der Hersteller mit den Kunden ist das neugierig machen. Dazu gehört ebenso eine verständliche Erklärung, eine gute Präsentation, die sogar digital sein darf – nämlich mit Video.

Damit sogar die skeptischen Konsumenten die neuen Technologien für sich annehmen, akzeptieren und zu schätzen lernen. Das geht dann soweit, dass sie die Errungenschaften irgendwann gar nicht mehr hergeben wollen. Denn wer möchte heute unterwegs im Auto noch umständlich mit einer CD hantieren, wenn er einfach nur Musik hören will?

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