4.Jul 19

Ihr Schornsteinfeger kommt – bitte halten Sie sich bereit!

geschrieben von Andreas Schuster

Es gibt Dinge, die man einfach nicht gerne im Briefkasten findet. Zum Beispiel diese Zustellbenachrichtigungen die mich darüber informieren, dass mein sehnlichst erwartetes Paket bei meinem Nachbarn namens „BITTE KEINE WERBUNG EINWERFEN“ abgegeben wurde. Es geht aber noch schlimmer. Meine persönliche Nemesis sind diese Kärtchen, die mich darüber in Kenntnis setzen, dass demnächst Besuch vom Schornsteinfeger ins Haus steht.  Nicht falsch verstehen: die Leute machen nur ihren Job und es ist schließlich in meinem Sinne, wenn gut ausgebildete Fachleute von Zeit zu Zeit dafür sorgen, dass mir meine Gastherme nicht um die Ohren fliegt, wenn ich das nächste Mal die Heizung anmache. Was meinen Puls allerdings gewaltig hochtreibt ist die unverfrorene Lässigkeit, mit der sich diese Leute das Recht herausnehmen, IRGENDWANN am angegebenen Tag bei mir aufzuschlagen. „Bitte halten Sie sich bereit zwischen 9.00 Uhr und 18.00 Uhr“ steht auf dem Kärtchen.

Eines vorneweg: ich habe vollstes Verständnis dafür, dass es bei mehreren Terminen am Tag einer gewissen zeitlichen Flexibilität seitens des Kunden bedarf. Geschenkt. Gleichzeitig muss aber die Frage erlaubt sein, warum in unseren modernen Zeiten keine präzisere Zeitplanung möglich ist. Zumal ich aus sicherer Quelle weiß, dass Schornsteinfeger nicht gerade einem harten Konkurrenzkampf ausgesetzt sind. Dieses Business hat nämlich Gebietsschutz. Mit anderen Worten: Die Schornsteinfeger haben das Bundesgebiet fein säuberlich in Zuständigkeitsbereiche aufgeteilt. Das haben die sich von den Drogenbaronen abgeguckt, verhindert man doch so lästige Grenzstreitigkeiten, die womöglich noch in gewaltsamen Auseinandersetzungen münden.  Kurzum: Diese besonderen Rahmenbedingungen erklären vielleicht die oftmals selbstbewusst-herablassende Attitüde, mit der manche Vertreter dieser Zunft jede zögerlich geäußerte Beschwerde abperlen lassen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Betriebserlaubnis meiner Heizung erlischt, wenn sie bei der technischen Abnahme nicht das ersehnte Aufkleberchen bekommt. Bedeutet: Ohne den Segen des Schornsteinfegers kann ich im Winter meine Möbel verheizen um mich warm zu halten. Soviel Macht korrumpiert natürlich. Warum also unnötigen Stress aufkommen lassen und Pünktlichkeit anstreben?

Stellen wir uns doch mal kurz vor, andere Branchen würden eine ähnlich laxe Interpretation von Pünktlichkeit an den Tag legen.

  • Sie rufen sich ein Taxi. Die Frage nach dem vermutlichen Eintreffen des Fahrers wird mit „Vor 12 Uhr“ beantwortet
  • Sie sind am Flughafen. Abflug der Maschine LH 507 nach London: HEUTE
  • Sie erwarten ein Kind? Wann ist es denn soweit? „Im Herbst!“.

Sie verstehen, worauf ich hinaus will? Ich erwarte ja nicht, dass Handwerker mit Schweizer Chronometern konkurrieren. Aber ist es denn zu viel verlangt, wenn ich tatsächlich einen Termin haben möchte, zu dem dann auch wirklich jemand auftaucht?

Beim letzten Mal habe ich übrigens umsonst gewartet. Nachdem ich Geschäftstermine verlegt und einen Tag frei genommen habe, passierte genau – nichts. Am nächsten Tag rief mein Schornsteinfeger an. Er habe es am Vortag  nicht geschafft. Es war einfach zu viel los …

Was habe ich daraus gelernt?

  1. Nur weil sich ein Kunde mit Unzulänglichkeiten im Service arrangiert hat, heißt das nicht, dass er oder sie zufrieden ist.
  2. Der Mangel an Alternativen ist auch eine Art von Kundenbindung. Allerdings keine besonders verlässliche.
  3. Kundenkommunikation ist keine Einbahnstraße, ein Zettel im Briefkasten kein Dialog.
  4. (Warte)Zeit ist relativ – das hat schon Einstein erkannt. 
Kundentermine
Wartezeiten
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Kommentare

Willhuber
Hallo, Herr Schuster, ich bin auch so ein "Drogenbaron". Abgesehen davon, dass in meinem Betrieb die Anmeldung 2-3 Tage vor im Briefkasten sind und auf eine Stunde Zeitrahmen fixiert sind, wollte ich doch mal etwas zurecht rücken. Die Rechtslage nimmt Sie, oder gegebenenfalls Ihren Vermieter in die Veranlassungspflicht. Sie haben einen Feuerstättenbescheid, auf dem mitgeteilt wurde, in welchem Zeitraum Schornsteinfegertätigkeiten durchzuführen sind. Und Sie werden rechtlich verpflichtet, diese auch zu veranlassen. Bevor Sie sich also an den Anmeldemodalitäten des Kollegen abarbeiten, erstmal vor der Haustüre kehren. Es hindert Sie niemand, aus freien Stücken im entsprechenden Monat beim Schornsteinfeger anzurufen und ihn zu einem Wunschtermin zu bestellen. Es hindert Sie auch niemand, nachdem der Zettel drinliegt, anzurufen und den Termin umzulegen. Es reisst Ihnen wohl auch niemand den Kopf ab, wenn Sie nicht daheim sind, sowie weitere 1/4 der Kunden täglich. Und wenn Sie erwarten, dass wir wegen Arbeiten, die im Schnitt nach 20 Min. erledigt sind, jemanden anstellen, der von 06.00 Uhr bis 08.00 Uhr und dann von 17.00 bis 21.00 Uhr zuhause Kunden anruft , um Termine zu vereinbaren, dann könnte sich alsbald der Preis für die Dienstleistung verdoppeln. Also: wenn Sie einen Termin haben wollen, der frühzeitig fixiert und Ihnen zeitlich auch angenehm ist, rufen Sie Ihren Schornie an. Der TÜV und auch der Friseur rennen Ihnen auch nicht hinterher,und bitten um einen Termin - da müssen Sie schon eigenverantwortlich handeln. Der Kunde ist König, muss sich aber auch königlich verhalten
Andreas Schuster
Lieber Herr Willhuber, vielen Dank für Ihr offenes Feedback! Über die rechtlichen Modalitäten bin ich natürlich informiert. Was nichts daran ändert, dass ich die beschriebene Situation tatsächlich so erlebt habe. Vielleicht bin ich auch an einen besonders unflexiblen Vertreter Ihrer Zunft geraten? Oder ich bin ein besonders unflexibler Kunde? Mir scheint, hier prallen einfach zwei Vorstellungswelten aufeinander. Wichtig noch zu erwähnen, dass der Vergleich mit dem „Drogenbaron“ der ironischen Überspitzung geschuldet ist – und nicht etwa ernst gemeint. Ich bin aber zuversichtlich, dass Sie das selbst gemerkt haben … Ich wünsche Ihnen für Ihre berufliche Zukunft jedenfalls alles Gute – und möglichst wenig Stress mit komplizierten Kunden! Viele Grüße Andreas Schuster
Schornsteinfege...
Sehr geehrter Herr Schuster, mein Kollege Willhuber hat ja schon etwas „Licht“ ins Dunkel gebracht. Erlauben Sie mir darzulegen, wie dies in meinem Betrieb gehandhabt wird. Wir 'melden' uns mit einem Zeitfenster von 2 h (z.B. 7 – 9 Uhr) ca. 3 bis 4 Wochen vorher an. Dies trifft auf alle Mess- und Überprüfungsarbeiten an Heizung & Co. zu. Bei alleiniger Schornsteinkehrung wird jedoch auch 'nur' eine Woche vorher der Termin mitgeteilt. Sowie nur mit einer ungefähren Zeitvorgabe (vormittags, mittags, nachmittags). Dies deshalb, da man arg wetterabhängig ist. (Siehe hierzu auch meine Darlegungen auf meiner WebSeite: http://kuntke.de/index.php?id=95) Beide ‚Anmeldungen‘ sind jedoch nur Terminvorschläge. Es besteht die Möglichkeit diesen Termin entsprechend umzumelden und z.B. seinen 'Wunschtermin' zu vereinbaren. (Oder gleich einen festen Terminwunsch für ‚immer‘ vereinbaren.) Übrigens 'müssen' wir - wie bereits Kollege Willhuber ausführte - uns grundsätzlich nicht anmelden, sondern der Grundstückseigentümer ist selber angehalten den Termin - innerhalb eines bestimmten Zeitraumes (siehe Feuerstättenbescheid) - mit einem Schornsteinfeger seiner Wahl (sic!) zu vereinbaren. Die Anmeldung (Terminvorschlag) ist insoweit nur ein Service für die Kundschaft. (Kundschaft mit den wir einen ‚Kehrvertrag‘ haben). Warum dies bei Ihnen nicht so richtig klappt entzieht sich natürlich meiner Kenntnis. Vielleicht einfach 'nur' ein Kommunikationsproblem? Ist vielleicht gar nicht so weit hergeholt, wenn Sie den Schornsteinfeger in ironischen Überspitzung als „Drogenbaron“ bezeichnen, er dies oder ähnliches von Ihnen vielleicht sogar schon mitbekommen hat und Ihre Ironie nicht recht einzuordnen weiß. Hinzu kommt dann noch, dass Sie fälschlicher Weise behaupten, dass die „Schornsteinfeger (…) das Bundesgebiet fein säuberlich in Zuständigkeitsbereiche aufgeteilt“ haben. Dies ist nämlich so nicht (mehr) korrekt. Abgesehen davon, dass die Aufteilung durch die Verwaltungsbehörden - im Regelfall die Regierungspräsidien - und nicht durch die Schornsteinfeger erfolgte. Es gab mal diesen Gebietsschutz. Dies stimmt. Allerdings ist dies schon etliche Jährchen vorbei, dass innerhalb des ‚Kehrbezirkes‘ (damals hieß das so) nur der dortige Bezirksschornsteinfegermeister oder sein Gehilfe die anfallenden Schornsteinfegerarbeiten ausführen darf (und muss). Wie gesagt. Dies ist inzwischen geändert. Es gibt zwar noch Bezirke, doch in diesen fallen nur die so genannte hoheitlichen (genauer gesagt: schlichthoheitliche) Tätigkeiten, wie Feuerstättenschauen (Brandschutzkontrollen), Erlass der Feuerstättenbescheide (Verwaltungsakt) oder auch bauordnungsrechtliche Tätigkeiten (Abnahmen) über dem Gebietsschutz des dafür bevollmächtigten Bezirksschornsteinfegers anheim. Für die Kehrungen, Messungen usw. ist - wie oben bereits beschrieben - durch den Grundstückseigentümer ein Schornsteinfeger seiner Wahl zu beauftragen. Weitere Infos dazu u.a. auf meinen WebSeiten unter www.kuntke.de oder auch auf den WebSeiten des Schornsteinfeger-Bundesverbandes www.schornsteinfeger.de. Mit freundlichem G-Ruß Thomas Kuntke PS: Wer Rcehtshcriebfeehlr entdeckt, darf sie behalten.

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